Start Stipendienprojekt Studienstipendien

 

Neues Projekt „Studienstipendien“

In 13 Jahren Stipendienprojekt konnten zahlreiche Kinder und Jugendliche in San Francisco Libre mit Unterstützung aus Oldenburg die Schule besuchen und mit einem Abschluss erfolgreich beenden.
Die Aufnahme einer dauerhaften und angemessen entlohnten Erwerbstätigkeit ist jedoch auch in Nicaragua mit dem allgemein bildenden Abschluss allein nur selten möglich. Trotz einer guten schulischen Bildung sind viele, so auch einige ehemalige StipendiatInnen des Nicaragua-Vereins, arbeitslos oder gezwungen, in völlig ungesicherten Beschäftigtenverhältnissen und unter extremen Arbeitsbedingungen wie z.B. in den Weltmarktfabriken der Freihandelszonen, zu arbeiten oder im Ausland nach Arbeit zu suchen, um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern.

In der Auswertung des Projektes ist deshalb im Nicaragua-Verein schon seit längerer Zeit das Ziel entstanden, das Stipendienprojekt zu erweitern und auch für Ausbildungen an einer Universität Unterstützungen zu organisieren, die den jungen Menschen eine berufliche Zukunft ermöglichen können. 
Durch den engen Kontakt, der sich zwischen einigen StipendiatInnen und ihren UnterstützerInnen, den Freiwilligen, die im Projekt gearbeitet haben, oder ihren Verwandten bzw. den TeilnehmerInnen von Jugendreisen und/oder Vereinsmitgliedern entwickelt hat, ist dies nun möglich geworden.
Sechs junge SchulabsolventInnen erhalten zurzeit ein Studienstipendium in der Höhe zwischen 30 und 40 Euro monatlich für eine Ausbildung an der Universität in Managua, das organisatorisch über den Nicaragua-Verein und APREDEN vermittelt wird.

Sonia Diaz - ein Kurzporträt und ein Brief der ehemaligen Schulstipendiatin, die jetzt ein Studienstipendium erhält

 

Sonia Diaz

Sonia ist mit 21 Jahren die aelteste Tochter von Esperanza Vicenta Ordoñez Castellón und Cipriano Diaz Valle.  Sie hat jahrelang unter der Woche gearbeitet und ist samstags zur Schule gegangen; letztes Jahr hat sie nun ihr Abitur bestanden.  Ihre drei Geschwister gehen weiter zur Schule:  Samuel mit 19 Jahren in das fuenfte Jahr der Sekundarstufe II (=12. und damit letzte Klasse), Herminia mit 16 in die achte und die 13-jaehrige Griselda in die sechste Klasse.
Sonia wohnt zusammen mit ihrem Ehemann Sergio Miranda und der zweijaehrigen Tochter Darmali in Los Pochotillos.  Sie arbeitet wochentags von 8 bis 11.30 Uhr in einer Vorschule der Gemeinde mit zehn Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren.  Dort kriegt sie allerdings kein Gehalt, sondern nur eine kleine Hilfe, die (manchmal) alle drei Monate ankommt.  Bis vor Kurzem hat sie zusammen mit ihrem –damals- Freund bei den Eltern gewohnt, aber der Vater hat gefordet, dass sie heiraten und ausziehen.  Also sind sie vor einem Jahr in ein eigenes Haus genau nebenan umgezogen, doch anstelle des Daches gibt es bisher nur eine Plastikfolie.  Denn Sergio hat seine Arbeit verloren und hilft nun ohne festen Lohn auf dem Land seines Vaters und des Schwiegervaters aus, saet Mais und Bohnen.

Sonia erzaehlt von einem normalen Tag in ihrem Leben:

„Ich wache morgens um vier Uhr auf, setze mich im Bett auf und bete zu unserem Herren.  Dann stehe ich auf, um das Fruehstueck vorzubereiten.  Als erstes bringe ich das Feuerholz zum Brennen und wasche den Mais, um damit Tortillas zu machen.  Schon frueh koche ich ausserdem den Reis fuer den ganzen Tag und Bohnen fuer zwei Tage.  Sergio steht um fuenf Uhr auf, holt Wasser vom Fluss, waescht sich, fruehstueckt und geht bis mittags aufs Feld arbeiten.
Darmali und ich fruehstuecken zusammen, ich wasche ab, fege, mache sauber, wasche die Waesche und samstags buegele ich.  Dann dusche ich, bringe Darmali in den Kindergarten und gehe in die Vorschule.  Wenn ich zurueck nach Hause komme, mache ich das Mittagessen warm.  Wir essen und ruhen uns ein bisschen in der Haengematte aus, so bis zwei Uhr.  Nachmittags muss ich den Unterricht planen und um vier Uhr bereite ich das Abendessen zu.  Nach dem Essen gehen wir zu den Nachbarn und unterhalten uns.  Bei meiner Halbschwester gucken wir eine Stunde Fernsehen, denn sie hat eine Solarzelle.  Und um acht Uhr gehen wir schlafen.
In der Vorschule machen wir ganz verschiedene Sachen.  Zum Beispiel gestalten wir „Ecken der Natur“ mit Zeitungspapierresten oder mit Buechern, die nicht mehr zu gebrauchen sind.  Wir schneiden Schnitzel aus und kleben diese  auf. Und wir machen Kollagen mit den Bildern der Kinder und mit den Blaettern von Baeumen und manchmal basteln wir Instrumente aus Pflanzen.  Es gibt z.b. eine Frucht, Jícaro, die rund und stabil ist, fast wie ein Holz.  Daraus kann man gut Trommeln machen.

Darmali, Sonia und Sergio vor ihrem Haus (s. u.)

Sonia u. ihre Tochter Darmali

Leider fehlt uns ziemlich viel.  Wie haben ueberhaupt keine Kinderbuecher zum Vorlesen oder Angucken.  Frueher hatten wir mehr Materialien, aber jetzt fehlt dafuer das Geld.  Aber immerhin ist noch weisses Papier und Tusche uebrig.“
Unter der Woche wird Sonia weiter unterrichten und fuer das Studium ab Juni jeden Samstag mit dem Bus nach Managua fahren.  Eigentlich haette sie dieses Jahr als Schulabgaenger noch gar nicht Lehramt studieren koennen, denn der Staat hat festgelegt, dass erst einmal alle Lehrer ihr Studium nachholen muessen.  Frueher war kein Studium notwendig, denn nach der Revolution haben im Rahmen der Alphabetisierung einfach diejenigen, die schon schreiben und lesen konnten, es den anderen in der Schule gezeigt.  Doch da Sonia schon fuenf Jahre lang in der Vorschule unterrichtet hat, erst komplett freiwillig, dann mit jener unregelmaessigen Bezahlung, wird sie als Lehrerin anerkannt und ihr das Studium ermoeglicht.

Wenn sie in drei Jahren ihren Abschluss in der Tasche hat, moechte sie in der Grundschule in ihrem Dorf unterrichten.

 
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