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Jugendreise 2007

Elf Jugendliche aus Oldenburg und Umgebung nahmen in den  Sommerferien 2007 an einem Jugend-Freundschaftsprojekt in Nicaragua teil.
„Vamos al campo“ (Gehen wir aufs Feld) gehörte schnell zu ihrem aktiven Wortschatz, und die Bedeutung dieser allmorgendlichen Aufforderung spürten sie auch körperlich: sie hatten sich für eine ganz andere Art von Urlaubsreise entschieden als man mit dem wohl bekannteren, gern gesungenen „vamos a la playa“ verbindet.

Die Jugendreise war vom Nicaraguaverein Oldenburg organisiert worden.

Während ihres Aufenthalts waren die 14 bis 18 Jahre alten Jugendlichen zuerst drei Wochen lang in Gastfamilien in der Partnergemeinde San Francisco Libre am Managuasee untergebracht. Sie hatten so die Gelegenheit, die für die Bewohner normalen Lebensverhältnisse in dieser ländlichen Region Mittelamerikas zu erleben. Nur theoretisch hatte man sich darauf vorbereiten können, was es bedeutet, mit mehreren Menschen auf engem Raum mit einfachsten Alltags- und Einrichtungsgegenständen zusammen zu leben, dreimal täglich Reis mit Bohnen zu essen, Latrinen zu benutzen und in Abhängigkeit vom spanischen Energieunternehmen willkürlich nur wenige Stunden am Tag mit Strom (und so auch mit Wasser) versorgt zu werden. So stellten sich Urlaubsgefühle in der notwendigen Eingewöhnungszeit zuerst nur sehr zaghaft ein.

Zu den Lebensverhältnissen gehörten auch die Arbeitsbedingungen. Während der ersten drei Wochen arbeitete die Gruppe täglich zusammen mit elf etwa gleichaltrigen nicaraguanischen Jugendlichen vormittags in verschiedenen Projekten des Nicaraguavereins.

Das Hauptprojekt bestand im Anlegen von Feldern im Rahmen des Leguanzuchtprojektes. Das Projekt verfolgt Ziele auf verschiedenen Ebenen: vor dem Hintergrund einer Arbeitslosigkeit von 70% schafft es für inzwischen 10 beteiligte Familien alternative Einkommensquellen, durch die Auswilderung von 10% der Leguane wird der bedrohte Bestand gesichert, gleichzeitig dienen die restlichen, zum Verkauf bestimmten Tiere als begehrte Nahrungsergänzung. Das Leguanprojekt verläuft erfolgreich, so dass der bisher vorgesehene Platz zur Futtermittelproduktion nicht mehr ausreichte.

 

Hier setzte die Arbeit der Jugendlichen an: bei zuvor unvorstellbarer tropischer Hitze wurde zwischen Spinnen und Skorpionen ein neues, wild bewachsenes Feld mit Macheten, selbst aus Ästen gefertigten Forken und vor allem mit den Händen urbar gemacht und mit Pfosten und Stacheldraht eingezäunt. Anschließend wurden darauf Bohnen gesetzt, als Futter für die Leguane.

Das Ergebnis der mühsamen Arbeit kann sich sehen lassen: bereits nach dem ersten Wochenende wuchsen die Bohnenpflanzen, und der perfekte Zaun schützt sie davor, von anderen Tieren verspeist zu werden. Die Felder sind eine große Erleichterung für die Familien, die sonst weite Wege zurücklegen müssen, um genug angemessenes Futter für die Leguane finden zu können.

Ein weiteres Projekt der Jugendgruppe war der „Oldenburg-Tag“ im Jugendzentrum des Vereins, ein Begegnungsfest mit allen nicaraguanischen Kindern und Jugendlichen, die im Rahmen des Stipendienprojektes des Nicaraguavereins monatlich finanziell unterstützt werden, damit sie und ihre Geschwister in die Schule gehen können. Viele Schulklassen und einzelne Unterstützer/innen hatten aus Oldenburg Briefe, Fotos, Plakate und Geschenke mitgegeben, und die Räume im Jugendzentrum wurden damit gestaltet.

Auch das Fest verlief erfolgreich: fast alle nicaraguanischen Kinder kamen, es wurden viele Briefe gelesen und geschrieben, Fotos gemacht, gefilmt, gegessen und getrunken und Geschenke ausgepackt. Als nachmittags endlich der Strom kam, konnte man auch die mitgebrachten Filme sehen, und während der ganzen Zeit wurde viel zusammen geredet und gespielt. Der Tag hat den Kontakt und Austausch vertiefen können, der durch des Stipendienprojekt jetzt seit 7 Jahren zwischen den Jugendlichen aus beiden Ländern besteht.

Viele weitere Vorhaben und Verabredungen an den arbeitsfreien Nachmittagen, wenn wegen der nun extremen Hitze an eine Feldarbeit gar nicht mehr zu denken war, an den Abenden und Wochenenden sorgten dafür, dass das anfängliche Fremdsein schnell verschwand:

An einem Nachmittag besuchten alle mit jeweils einer/m nicaraguanischen Jugendlichen den Schulunterricht. Im Anschluss daran übergab die Gruppe der Schulleiterin und einigen Lehrern offiziell das mitgebrachte Schulpartnerschaftsplakat der Helene-Lange-Schule, das diese sofort am schwarzen Brett anbrachten.

Zweimal spielte die Gruppe gegen die erfolgreiche Jugendmannschaft aus San Francisco Libre Fußball – auch hier konnten sich die Ergebnisse sehen lassen – und zwei Nachmittage verbrachte man beim Baden am Fluss, dort, wo viele ihre Wäsche waschen und auch schon mal ein paar Pferde zum Trinken vorbei kommen.

Am ersten Wochenende fuhren alle Jugendlichen zusammen in die nahe gelegenen Städte Granada und Masaya, besuchten dort den Markt, einen noch aktiven Vulkan und schwammen in einer Lagune beim Nicaraguasee. Auch für die nicaraguanischen Jugendlichen war das der erste Ausflug dieser Art.

Das nächste Wochenende war für die Erkundung des Nebelwaldes im Norden des Landes vorgesehen. Man lernte viel über Kaffeepflanzen, Bananenstauden und Orchideen, und fast alle kletterten im Hohlraum einer riesigen Würgefeige, wie man sie sonst nur aus dem Erdkundebuch kennt, 20 Meter hoch, dort, wo früher mal ein Baum war.

Und nach drei Wochen, als sich alle eigentlich gerade richtig eingelebt und angefreundet hatten, mussten schon die Vorbereitungen für das Abschiedsfest getroffen werden: Getränke wurden besorgt, Salate gemacht, ein Schaf wurde gekauft, getauft, geschlachtet und gegrillt. Und es wurde viel erzählt, gelacht und getanzt.

Erst nach diesen produktiven, lehrreichen, ereignisreichen und schönen drei Wochen Erleben einer anderen Natur und Kultur und der extrem anderen Lebensverhältnisse,
in denen man als Gast nur sein mag, wenn man (ob vor Ort, in einer Oldenburger Schulklasse, beim Anti G8-Protest oder wo auch immer) etwas zu ihrer Verbesserung unternimmt,
erst danach begann für die Gruppe das, was viele sich üblicherweise als Urlaub vorstellen: „vamos a la playa“ war die allmorgendliche Aufforderung in einem schönen Haus an der Pazifikküste, in der die Gruppe zusammen mit vielen Krebsen die letzte Woche der Nicaraguareise verbrachte.

Vielen Dank an alle, die mit ihrer Unterstützung diese Erfahrungen und die Arbeit vor Ort ermöglicht haben, wie die Stadt Oldenburg, die Gemeinde Rastede und der GEW-Kreisverband Oldenburg- Stadt.

 
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